Kesseltrommel

Kesseltrommel aus Eisen vom Ende des 17. Jahrhunderts in Vilnius. Möglicherweise türkischen Ursprungs
Kesseltrommel bendré aus einer Kalebasse. Ethnie Bobo im Westen von Burkina Faso. Tropenmuseum, Amsterdam, vor 1970

Als Kesseltrommeln bezeichnet man einfellige Membranophone mit einem an der Unterseite geschlossenen, meist halbrunden Korpus. Sie werden mit den Händen oder mit Schlägeln gespielt und kommen einzeln oder häufig paarweise zum Einsatz.

Zu den Kesseltrommeln gehören die in der europäischen Kunstmusik gespielten Pauken, die in arabischen und zentralasiatischen Ländern weit verbreiteten naqqara und die indische tabla. Als älteste bekannte Kesseltrommel gilt die aus altbabylonischer Zeit stammende, große Priestertrommel lilissu mit einem Bronzekorpus. Eine ungewöhnlich große Kesseltrommel war im 13. Jahrhundert die kūrgā der Mongolen. Aus dem 14. Jahrhundert ist die erste osmanische Kesseltrommel kútsá bekannt, die unter Osman I. auf Elefanten und Kamelen bei Aufmärschen mitgeführt wurde[1].

Kesseltrommeln werden eingeteilt in Tiefkesseltrommeln mit einem tiefen, etwa kreisrunden Korpus und Flachkesseltrommeln, deren Korpus schalenförmig ist. Alle anderen Trommelarten sind entweder an der Unterseite offen wie die sich nach unten verjüngenden Bechertrommeln vom darabuka-Typ oder beidseitig mit Fell bespannt wie die meisten Röhrentrommeln. Ein seltener Grenzfall zwischen einer flachen, unten offenen Rahmentrommel und einer Kesseltrommel ist die im Jemen gespielte Stieltrommel sahfa. Einen Übergang zwischen einer Kesseltrommel und einem Schlagidiophon stellt die mizhavu aus Südindien dar. Dieser große runde Kupfertopf besitzt nur eine winzige Membran, die mit den Händen geschlagen wird.

Als Uganda-Kesseltrommel (englisch Uganda kettle-drum oder Uganda drum) wird ein konstruktiv zu den zweifelligen Röhrentrommeln gehörender Typ von zylindrisch-konischen Holztrommeln bezeichnet, der hauptsächlich in Uganda vorkommt und der unter anderem zum Trommelspiel entenga gehört. Die ein kleines Loch an der Unterseite überdeckende Haut dient nur zum Verspannen der Trommelmembran.


  1. Henry George Farmer: Monster Kettledrums. In: Music & Letters, Band 43, Nr. 2, April 1962, S. 129f

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